Abgeschlossene BfN-Projekte

BfN-Projekt Feldhamsterland

Förderung: Bundesprogramm Biologische Vielfalt

 

 Biologische Vielfalt 

 

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Laufzeit: Mai 2018 bis Juli 2023

Projektträger: Deutsche Wildtierstiftung

Projektpartner: LPV Mittelthüringen e.V., Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (Hessen), Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Finanzvolumen gesamt: ca. 4.958.000 €

Website des Projektes: www.feldhamster.de

 

Früher intensiv bejagt, ist der Feldhamster (Cricetus cricetus) heute weltweit eine vom Aussterben bedrohte Art. Im Anhang IV der FFH-Richtlinie sowie im Anhang II der Berner Konvention gelistet, hat Deutschland eine besonders hohe Verantwortung für die weltweite Erhaltung der Art. Trotzdem haben die Bestände in den letzten Jahren um ca. 75 % abgenommen und der Erhaltungszustand der Art wird als „ungünstig – schlecht“ eingestuft. Dabei hat vor allem Thüringen eine zusätzliche Verantwortung, da nur hier (und in der Ukraine) schwarze Feldhamster vorkommen. Trotzdem gehen auch hier die Bestände in den letzten 40 Jahren kontinuierlich zurück, was auch Förderprogramme nicht verhindern konnten. Aus diesem Grund kam bereits 2015 die Idee des Projektes „Feldhamsterland“ auf. 2018 startete das sechsjährige deutschlandweite Verbundprojekt mit dem Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. als Projektpartner in Thüringen. Ziel des Projektes war das Image des Feldhamsters zu verbessern und die Menschen auf die weitgehend unbekannte dramatische Bestandssituation hinzuweisen. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit und der Gewinnung von Ehrenamtlichen für Kartierungen sollte der Schutz der Art z.B. durch Maßnahmenumsetzung vorangebracht werden. Im Zuge des Projektes wurde ein Feldhamsternetzwerk aufgebaut, in welches vorhandene Strukturen einbezogen und alle Interessierten und Akteure im Feldhamsterschutz involviert wurden. Durch die Kartierungen sollte zum einen die Datenlage zur aktuellen Verbreitung der Hamsterbestände verbessert und durch die Teilnahme von Ehrenamtlichen zusätzlich Wissen und Begeisterung über den Feldhamster geteilt werden. Mit insgesamt 162 Freiwilligen konnten bei 466 Kartierungen in den Jahren über 3.300 ha kartiert und über 3.400 Baue gefunden werden. Dabei wurden neue Techniken, z.B. die erfolgreichere Kartierung der Blühflächen im Winter, ermittelt.

 

Die Dürrejahre 2018 und 2019 machten sich auch in den Folgejahren bemerkbar, die Trockenheit und früher einsetzende Ernten machten den Hamstern zusätzlich zu schaffen. Dies betont die Bedeutung der hochwertigen Maßnahmen, welche den Hamstern ganzjährig Deckung und Nahrung bieten. Durch intensive Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe konnten im Projektgebiet mit 29 Landwirten insgesamt über 2.180 ha Maßnahmen umgesetzt werden. Diese wurden kontinuierlich evaluiert und angepasst, sodass die effektivsten als Feldhamsterschutzmaßnahmen in das aktuelle KULAP eingeflossen sind.

Diese Erfolge waren nur durch eine breit aufgestellte Öffentlichkeitsarbeit möglich. Zahlreiche Veranstaltungen, Pressmitteilungen, social media-Auftritte und wirksame Aktionen wie das „Schwarze Hamster-Brot“ brachten vielen Leuten den Feldhamster näher. Unterstützt wurde dies durch im Projekt entwickelte Merchandise-Artikel, wie bedruckten Zollstöcken für die Kartierungen, Plüschhamstern, Infoheftchen, Steckhamstern oder Schlüsselanhänger. Vor allem die Plüschhamster waren begehrte Maskottchen bei Kindergarten- und Schulklassen, mit welchen zahlreiche Projekttage und Exkursionen durchgeführt wurden. Trotz zeitweiliger Schwierigkeiten durch Corona konnten viele neue Kontakte zu engagierten HamsterschützerInnen geknüpft und neue UnterstützerInnen, z.B. in Erfurter Kleingartenanlagen, gewonnen werden. Diese Erfolge resultierten bereits teilweise in Folgeprojekten, welche hoffentlich auch zukünftig die bisherigen Erfolge und die Arbeit aus dem Projekt verstetigen.

 

Das „Feldhamsterland“ hat in Thüringen maßgeblich dazu beigetragen den Feldhamster in ein besseres Licht zu rücken und sein Aussterben wenigstens kurz- und mittelfristig zu verhindern. Bei landwirtschaftlichen Betrieben, in der Politik und in der breiten Bevölkerung hat sich sein Image deutlich verbessert und die Akzeptanz und Verantwortung dem Feldhamster gegenüber ist gestiegen. Dies konnte durch das umfassende Zusammenspiel von Beratung, Kartierung, Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmenumsetzung erreicht werden. Dank überlegter Projektplanung, einem engagierten Team und flexibler Aufstockung und Umwidmung von Projektmitteln konnte in den Jahren 2018 bis 2023 ein Verbundprojekt umgesetzt werden, das trotz Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen, trotz Klimawandel und den damit einhergehenden Umweltveränderungen und trotz einiger Veränderungen im Thüringer Projektteam als Erfolg für den Feldhamster, den Artenschutz und das Land Thüringen verbucht werden kann. Nach Projektende bleiben nicht nur drei Feldhamstermaßnahmen im KULAP und ein starkes Feldhamster-Netzwerk in Thüringen zurück, sondern auch der gefestigte Wille des Projektteams und anderer im Feldhamsterschutz engagierter Personen das Aussterben des Feldhamsters in Thüringen auch langfristig abzuwenden.

BfN-Hotspotprojekt Gipskarst Südharz - Artenvielfalt erhalten und erleben (Hotspot-Region 18)

 Gipskarst 

 

Förderung: Bundesprogramm Biologische Vielfalt

 

 Biologische Vielfalt 

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Laufzeit: Januar 2018 bis März 2024

Finanzvolumen: ca. 4.547.000 €

Website des Projektes: www.hotspot-gipskarst.de

 

Der Südharzer Zechsteingürtel stellt das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas dar. Als Teil der Hotspot-Region „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“ zeichnet sich das Gebiet durch eine besonders hohe Biodiversität aus. Da der Gipskarst im Südharz im Gegensatz zu vielen anderen Karstgebieten der Erde von Vegetation bedeckt ist, wird er als „Grüner Karst“ bezeichnet. Die strukturreiche Landschaft bietet eine Vielzahl von einzigartigen und komplexen Lebensräumen, sodass hier zahlreiche bemerkenswerte Pflanzen- und Tierarten beheimatet sind. Zudem siedelt der Mensch bereits seit vielen Jahrhunderten in der Region und hat durch eine regionaltypische extensive Beweidung vornehmlich mit Schafen eine Kulturlandschaft geformt, in der sich artenreiche Offenlandlebensräume wie Trocken- und Halbtrockenrasen, Flachlandmähwiesen mit ausgedehnten Streuobstbeständen sowie Zwergstrauchheiden entwickelt haben, die mit Waldlebensräumen verzahnt sind. Diese Landschaften sind heute stark durch eine stetig sinkende Weide- und Mahdnutzung dieser Lebensräume und der einhergehenden Verbuschung bedroht. Auch die intensive landwirtschaftliche Produktion, der großräumige Gipsabbau und die zunehmende Versiegelung von Flächen tragen zum weiteren Verlust von Lebensräumen und Arten bei.

 

Im Rahmen des Hotspot-Projektes wurden Wege aufgezeigt und initiiert, die die einzigartige Kulturlandschaft des Thüringer Zechsteingürtels, die wertvollen Lebensräume in der Gipskarstlandschaft, eine extensive Landnutzung, das regionale Bewusstsein, naturverträglicher Tourismus und die Erzeugung regionaler Produkte gemeinsam unterstützen, fördern und nachhaltig sicherstellen können.

 

Im Projekt wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:

Zur Erhaltung und Verbesserung der naturschutzfachlichen Qualität der Lebensräume wurden eine Vielzahl von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren dabei die naturnahen Kalk-Trockenrasen, Streuobstwiesen, felsigen Lebensräume, Heiden, der Scheitel-Buchenwald am Kalkberg im NSG „Rüdigsdorfer Schweiz“ sowie die Ackerwildflora auf konventionell bewirtschafteten, aber noch artenreichen Ackerteilflächen. Hier wurden auf knapp 40 ha Entbuschungs- und Freistellungsmaßnahmen in Offenlandlebensräumen sowie auf mehr als 50 ha Streuobstwiesen gepflegt. Dabei wurden gut 500 Obstbäume neu gepflanzt sowie ein 1.885 Altbäume einem Erziehungs, Pflege- und Erhaltungsschnitt unterzogen.

Zudem wurde besondere Maßnahmen für den Schutz des Feuersalamanders (Salamandra salamandra), der Gelbbauchunke (Bombina variegata) und der Gemeinen Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) geplant. Hierfür wurden zwei Reproduktionsgewässer in Ilfeld und Stempeda renaturiert.

 

Die dauerhafte Landschaftspflege in der Region kann nur durch eine extensive Weidewirtschaft gesichert werden. Im Rahmen des Projektes wurden Tierhaltende fachlich und materiell unterstützt und die zumeist ungeklärte Hofnachfolge vieler Betriebe sichergestellt. Es wurden insgesamt 45 weidetierhaltende Betriebe und Hobbytierhaltende teilweise mehrfach beraten. Es wurde Equipment, wie ein Viehtransporter, Tränkewagen und Weidezaunzubehör angeschafft und den Weidetierhaltenden bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Es konnte ein Stammtisch für Weidetierhaltende initiiert und insgesamt dreimal angeboten werden.

 

Eine Vielzahl von Aktionen und Maßnahmen wurden im Bereich der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit geplant, um die Menschen in der Region mit den Naturschätzen ihrer Heimat vertraut zu machen, sie für den Naturschutz und nachhaltigen Konsum zu sensibilisieren und den Naturtourismus zu fördern. Es konnten insgesamt 112 Umweltbildungsveranstaltungen an Schulen und Kindertagesstätten sowie 88 Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit angeboten werden. Hier wurden über 4.000 Teilnehmende erreicht. Im Projekt wurde ein Gipskarst-Infomobil angeschafft, welches viele Veranstaltungen begleitete. Zudem wurden kreative Wettbewerbe und öffentliche Landschaftspflegeeinsätze angeboten. Für Interessierte wurden jährlich Baumschnittkurse zur selbstständigen Obstbaumpflege organisiert. Eine Wanderausstellung zum Thema "Gipskarst" wurde entworfen und an zahlreichen, öffentlichen Orten ausgestellt. Zur Förderung des nachhaltigen Tourismus wurden drei Infopavillons in Niedersachswerfen, Obersachswerfen und Buchholz sowie ein Aussichtsturm in der Rüdigsdorfer Schweiz errichtet. Es wurden drei neue Wanderwege ausgewiesen und mehrere Waldschänken, Motivbänke und Infotafeln aufgestellt.

 

Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen erfolgte in Zusammenarbeit mit verschiedenen lokalen Akteuren. So wird die regionale Entwicklung gefördert, wobei besonders die Vermarktung regionaler Produkte vorangetrieben werden soll.

 

 

BfN-Projekt VIA Natura 2000

 Via Natura 

 

Förderung: Bundesprogramm Biologische Vielfalt

 

 Biologische Vielfalt 

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Laufzeit: Mai 2020 bis April 2026

Finanzvolumen: ca. 5.650.000 €

Website des Projektes: www.via-natura-2000.de

 

Die Natura 2000-Station Südharz/Kyffhäuser beteiligte sich am bundesweiten Projekt „VIA Natura 2000 – Vernetzung für Insekten in der Agrarlandschaft zwischen Natura 2000-Gebieten in Thüringen“. Ziel war die Wiederherstellung, Entwicklung und langfristige Sicherung artenreicher Feldraine als wichtige Lebensräume für Insekten, Wildpflanzen und zahlreiche weitere Tierarten.

 

In der Projektregion Nordthüringen wurden neue Feldraine angelegt, bestehende Strukturen aufgewertet und regionale Wildpflanzenmischungen eingesät. Durch gezielte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen konnten wertvolle Biotopverbundstrukturen in der Agrarlandschaft geschaffen und gesichert werden.

 

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der engen Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben, Flächeneigentümern und Kommunen. Gemeinsam wurden Lösungen entwickelt, die Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbinden.

 

Zum Projektende konnten in Nordthüringen über 40 Hektar Feldraine und Blühflächen dauerhaft gesichert werden. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt und zur Vernetzung von Lebensräumen in der Agrarlandschaft.